„Das musst du unbedingt aufschreiben!“ Immer wieder hörte Monika von Reppert-Bismarck diesen Satz, wenn sie mit Freunden über ihre Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg sprach. Doch die Autorin zögerte: „Manches aus der Zeit war so schlimm, dass ich das nicht aufschreiben konnte.“ Erst mit über 80 Jahren sollte sie den Mut und Ansporn für ihre schriftlichen Memoiren finden.

Weil ich einen Arm nicht bewegen konnte, habe ich die ganze Geschichte mit nur einem Zeigefinger getippt.
Monika von Reppert-Bismarck

Mit den Eltern und drei Geschwistern verbrachte Monika zunächst eine glückliche Kindheit auf Rügen. Doch als gerade einmal 13-Jährige endete die Kindheit schlagartig mit der russischen Invasion im Mai 1945. Die Familie wurde vertrieben, musste den heimischen Hof verlassen und flüchtete unter dramatischen Umständen in den Westen Deutschlands. Vollkommen mittellos und ohne Hoffnung, die Heimat jemals wiederzusehen, begann für Monika der Aufbruch in die Nachkriegszeit.

Dass sie mit der Niederschrift ihrer Memoiren einmal im Kindle-Singles-Programm (KS) von Amazon aufgenommen werden würde, hätte sich Monika von Reppert-Bismarck nicht träumen lassen. Die damals 82-Jährige wollte ihre bewegenden Kindheits- und Jugenderinnerungen während des Zweiten Weltkriegs eigentlich nur für Familie und Freunde dokumentieren.

„Ein Gespräch mit einer guten Freundin gab mir schließlich den Mut, meine Geschichte aufzuschreiben. Als ich einmal angefangen hatte, konnte ich gar nicht mehr aufhören. Alles wurde wieder lebendig, und ich erlebte diese Kindheit und die Flucht und die schreckliche Nachkriegszeit noch einmal.“ Das Schreiben, so Monika, habe ihr aber auch geholfen, die Vergangenheit zu verarbeiten.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Trotz einer halbseitigen Lähmung vervollständigte sie Dunkle Wolken über der Ostseeinnerhalb von nur drei Monaten: „Weil ich einen Arm nicht bewegen konnte, habe ich die ganze Geschichte mit nur einem Zeigefinger getippt“, erklärt sie schmunzelnd. Nichts habe sie bremsen können.

Eine Veröffentlichung hatte sie zunächst nicht im Sinn. Doch eine Bekannte, die in der Verlagsbranche arbeitete, sah das Potenzial und schickte das Manuskript an zahlreiche Verlagshäuser. Schließlich landete ihre Geschichte auf dem Tisch des verantwortlichen Lektors für Kindle Singles, den die Erzählung überzeugte.

Monikas Biografie wurde von Amazon als eBook innerhalb des KS-Programms veröffentlicht, das auf Kurzromane und Erzählungen von maximal 30.000 Wörtern spezialisiert ist. Auch als Taschenbuch gibt es Monikas Buch mittlerweile: „Ich wollte, dass meine Geschichte auch in der Hand gehalten werden kann.“ Dafür nutzte die frischgebackene Autorin den Service CreateSpace, mit dem Autoren ihre Werke drucken lassen können.

Für ihr Buch Dunkle Wolken über der Ostsee wünscht sie sich, dass es zur Diskussion anregt – besonders zwischen Generationen. „Ich würde gerne sehen, dass junge Leute sich klarmachen, was so ein Krieg bedeutet. Jeder sollte wissen, was wirklich passiert ist, und die Geschichten der Großeltern und Eltern kennen.“

Monikas Zuhause liegt heute in der Nähe von Bonn, am Rand des Siebengebirges, wo die dreifache Großmutter lebt. Ob sie einen weiteren Teil ihrer Biografie veröffentlicht, weiß sie noch nicht: „Einige Freundinnen haben mir geraten, weiterzuschreiben und meine Erlebnisse nach 1955 zu dokumentieren, aber das weiß ich noch nicht“, verrät die agile Seniorin. Eines ist aber sicher: Das Schreiben wird sie nicht aufgeben.

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