Wie ernähre ich mein Haustier richtig? Die Tierärztin Dr. Britta Dobenecker erklärt im Interview, worauf Herrchen beim Einkauf achten sollten, ob Nassfutter für Katzen wirklich besser ist als Trockenfutter und warum ein paar Weihnachts-Snacks zu viel für einen Hund lebensbedrohlich sein können.

Frau Dr. Dobenecker, leben unsere Haustiere In Deutschland ungesund?
Ja. Wie bei den Menschen geht die Schere auseinander: Es gibt Tierbesitzer, die viel auf ihre Ernährung und auf die ihres Tieres achten und zum Beispiel ihren Hund zum Joggen mitnehmen. Und dann gibt es die größere Gruppe, die sich zu wenig bewegt und zu viel füttert. Die Zahl übergewichtiger Haustieren steigt stark an.

Tierärztin Dr. Britta Dobenecker
Dr. med. vet. Britta Dobenecker

Wie viele Haustiere sind denn in Deutschland zu dick?
Bis zu zwei Drittel.

So viele?
Ja. Die Zahl schwankt pro Studie, aber es sind in etwa 50 bis 70 Prozent.

Glaubt man den Schlagzeilen zum Thema Tiernahrung, darf von Abfällen bis zu Erdgas angeblich alles ins Tierfutter. Stimmt das?
Ach, das höre ich immer wieder! Altreifen, Klärschlamm, da gibt es die wildesten Geschichten. Aber nein – in der Lebensmittel- und Futtergesetzgebung ist ganz genau geregelt, was in die Tiernahrung darf. Es dürfen zum Beispiel keine gefallenen Tiere rein, sondern nur Nebenprodukte von Tieren, die für den menschlichen Verzehr geschlachtet wurden.

Also nicht der überfahrene Waschbär am Straßenrand.
Genau, das ist verboten. Es gibt keine Müllverarbeitung im Tierfutter, die Regeln sind sehr streng.

Woran erkenne ich das beste Futter?
Das ist sehr schwierig. Auf der Packung sollte auf jeden Fall stehen: „Alleinfutter für…“ Ansonsten muss ich die Ration noch passend ergänzen. Und dann muss ich das Futter danach auswählen, welches Tier ich habe. „Alleinfutter für Hunde“ ist für alle Hunde, vom wachsenden Doggenwelpen bis zum Chihuahua-Senior. Hier orientieren sich die Hersteller an dem, der den höchsten Bedarf hat. Wenn darauf zum Beispiel steht „Alleinfutter für adulte Hunde“, dann ist das Futter spezieller auf ausgewachsene Hunde zugeschnitten.

Ist teures Futter immer besser?
Nicht unbedingt. Wenn Sie sich verschiedene Verbrauchertests ansehen, werden Sie kaum eine Korrelation zwischen Preis und Qualität feststellen.

Reden wir über die großen Streitthemen: Ist Trockenfutter wirklich schlecht für Katzen?
Nein. Nassfutter ist besser, wenn die Katze zu wenig trinkt, aber grundsätzlich können Katzen beides fressen.

Kann ich eine Katze zur Vegetarierin erziehen?
Es gibt ein paar Katzen, die das mit sich machen lassen. Aber eine Katze ist wirklich eine Fleischfresserin – deshalb rate ich sehr stark davon ab. Die Gefahr für bleibende Schäden wie Knochenschäden ist enorm. Erst vor Kurzem hatten wir einen – falsch – vegetarisch ernährten Katzenwelpen hier, der vom Sofa gesprungen ist und sich dabei die Beine gebrochen hat.

Wie sieht es bei Hunden aus?
Hunde sind etwas flexibler. Aber auch hier muss ich sicherstellen, dass der Hund ausgewogen und ausreichend ernährt wird. Wer keinen Fleischfresser haben will, sollte sich lieber ein Kaninchen holen. Wir dürfen nicht versuchen, aus Haustieren Menschen zu machen.

Die mittlere Lebenszeit ist bei Übergewicht um zwei Jahre kürzer – beim Menschen wären das gut 13 Jahre.

Kann es sein, dass Tierbesitzer zu Helikoptereltern werden?
Statistisch gesehen weiß ich das nicht, aber meiner praktischen Erfahrung nach ja. In den USA ist schon von „Pet Parents“ die Rede. Dort habe ich es einmal mitbekommen, wie eine Tierärztin die Menschen aus dem Sprechzimmer mit „Fiffi’s parents please“ gerufen hat, wie eine Kinderärztin. Herrchen machen sich oft so viele Sorgen wie Eltern.

Ab wann ist mein Hund eigentlich zu dick?
Es gibt ein paar Warnzeichen: Ich fühle zum Beispiel nach den Rippen – die sollte ich spüren können, wenn ich dem Hund mit leichtem Druck über die Seiten streiche. Wenn ich von oben auf den Hund sehe sollte er eine Sanduhrform haben, kein Oval.

Gilt das auch für Katzen?
Da ist es ähnlich – ich muss die Rippen spüren und die Taille einfach erkennen können. Ich empfehle Tierbesitzern aber, einmal beim Tierarzt das Idealgewicht bestimmen zu lassen, sie dann wöchentlich zu wiegen und Buch zu führen. Wer sein Haustier täglich sieht, merkt oft gar nicht, wie stark es zunimmt.

Was sind die Folgen von Übergewicht?
Wie beim Menschen – die Gelenke werden belastet, das Risiko für Diabetes und Krebs steigt, und, und, und. Beim Hund gibt es eine Studie dazu: Die mittlere Lebenszeit ist bei Übergewicht um zwei Jahre kürzer. Bei 12, 14 Lebensjahren insgesamt ist das natürlich viel – beim Menschen wären das gut 13 Jahre weniger.

Wie setze ich mein Tier auf Diät?
Am besten mit tierärztlicher Hilfe. Wenn eine übergewichtige Katze plötzlich viel weniger frisst, kann das lebensgefährlich sein, dann droht eine Leberverfettung. Mehr Spielen hilft immer, zum Beispiel mit Spielbällen, in denen Futter ist. So muss die Katze sich ihr Futter erarbeiten. Mit dem Hund kann man gut Schwimmen gehen, das schont die Gelenke. Insgesamt gilt: Bewegung, Bewegung, Bewegung! Das hilft sogar den Zähnen.

Wie das?
Beim Hecheln werden die Zähne schon ein bisschen geputzt. Wenn der Hund dann noch „Beute“ – wie ein Stöckchen – fasst, wird Zahnschmelz weggeputzt. Es gibt übrigens Zahnbürsten, die man sich auf den Finger setzen kann, damit kann man dem Hund oder der Katze – wenn sie sehr kooperativ ist – die Zähne putzen. Wer dafür keine Zeit hat, kann Kauspielzeug nutzen.

Haben Sie schon einmal für Ihr Haustier gekocht?
Manchmal koche ich für meinen Kater, wenn ich die Zeit dazu finde.

Wir haben Tim Raue gebeten, für seine Jack-Russel-Dame Shirley ein Gericht zu kochen. Haben Sie einen Tipp für ihn?
Ich würde ihm raten, das Rezept einmal mit einer Tierärztin abzustimmen.

Dr. med. vet. Britta Dobenecker lehrt und forscht am Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Früher hatte sie selbst Hunde und Pferde, heute lebt noch ihr 17-jähriger Kater bei ihr.

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