„Wie viele Packungen Kaffee muss ich verkaufen, um ein Mitarbeitergehalt zu zahlen?“ Schnell wurde Nora Hofbauer klar: Es sind einige. Das war nur eine der Sorgen, die die Jungunternehmerin kurz nach Unternehmensgründung plagte. Nora ist Geschäftsführerin von Gourmesso, einer international erfolgreichen Kaffeekapsel-Marke. Der Weg ins Unternehmertum war für die Berlinerin ein Sprung ins kalte Wasser und ein wahrer Hürdenlauf. Noras Geheimrezept fürs Durchhalten: Beharrlichkeit und learning-by-doing.

Ich liebe Kaffee, aber von Vertrieb und Onlinehandel wusste ich damals wenig.
Nora Hofbauer

Vom Start Up zum Top Seller

Nora ist ein Fan der praktischen Kaffeekapseln und besitzt seit Jahren eine Nespressomaschine. Während des Studiums jobbte die Berlinerin als Barista und kennt daher die große Welt des Kaffeegeschmacks gut. Seit Jahren verfolgte sie eine Idee: ‚Die Kaffeekapseln, die gehen noch abwechslungsreicher, einfacher und preiswerter.’ 2012 gründete die Medienwissenschaftlerin eine preiswerte, aber geschmacksintensive Alternative zu den original Nespressokapseln. Die Marke Gourmesso ist in Deutschland über einen eigenen Onlineshop und über Amazon bestellbar. Mit Amazon bahnte sich Nora auch ihren Weg zu Kaffeeliebhabern auf der ganzen Welt. „Der Versandservice von Amazon öffnete uns bei der Internationalisierung ganz neue Perspektiven. In Frankreich waren unsere Verkaufszahlen vor einem Jahr noch weit abgeschlagen. Heute sind wir dort unter den Top 10-Sellern aus dem Lebensmittelbereich.“ Seit 2014 hat die Firma einen Zweitsitz in den USA und verkauft in 40 Länder weltweit. Doch bis dahin war es kein leichter Weg.

Alles auf eine Karte

Für ihren Business-Traum gab Nora ihren alten Job auf. Es gab kein Zurück und so arbeitete sie rund um die Uhr in einem zehn Quadratmeter kleinen Büro in Neukölln, ausgestattet mit zwei Schreibtischen, einem Drucker und einer Nespressomaschine. Die frisch gebackene Unternehmerin bestellte bei einem Anbieter von Fair Trade Kaffee, der sich auch um die Verpackung in Kapseln kümmert, eine kleine Lieferung von 5.000 Packungen Kaffee in fünf verschiedenen Sorten. „Allein das war eine Herausforderung.“

Nora bestellte Kartons – „Ich hatte anfangs keine Ahnung, wie hoch die Nachfrage sein würde und habe einfach einmal drauf los bestellt“ –, sie verhandelte mit Paymentanbietern und Paketdiensten und begann mit ihrer einzigen Mitarbeiterin einen Webshop aufzubauen. Eines Mittags hupte es vor der Tür und da stand ein Lastwagen mit fünf Paletten Kaffee. Die Packungen stapelten sich an den Bürowänden bis unter die Decke und Nora dachte nur: ‚Oh mein Gott, wie werden wir die wieder los?’

24 Stunden sind nicht genug

Dann die große Überraschung: Nur drei Wochen später war das letzte Kaffeepäckchen verkauft. Neue Kaffeekapseln waren schnell bestellt, doch die Versandkartons blieben aus. „Wir mussten uns mit silbernen Beuteln als Verpackung behelfen. Um das wieder gut zu machen, erhielten die Kunden mit ihrer Bestellung einen Gutschein auf den nächsten Einkauf“, erzählt Nora. Jedes verkaufte Päckchen brachte sie persönlich zur Post, mit einer handgeschriebenen Karte dazu, bis der Rahmenvertrag mit dem Paketdienst endlich in trockenen Tüchern war. Jede Kunden-Email und jeden Anruf nahm die Berlinerin selbst entgegen.

Dann stellten wir den ersten Studenten ein.“ Das viele Arbeiten sei immer noch ein Thema, gesteht die Selfmade-Frau, obwohl die Firma inzwischen 21 Mitarbeiter zählt. Selten hat ihre Woche weniger als 60 Stunden.

Nicht zuletzt die Konkurrenz treibt die 31-Jährige um. Die ist in den letzten Jahren gewachsen, was sich auch in den Verkaufszahlen bemerkbar machte. Aber Noras Erfindungsreichtum schläft genauso wenig wie die Konkurrenz. Neben Kaffeekapseln gibt es jetzt auch Teekapseln. Bestimmte Kaffeesorten, die teils aus kleinen Berliner Handröstereien stammen, soll es auf Anfrage künftig auch als ganze Bohne geben. Eine große Besonderheit ist die Fair Trade Zertifizierung. Alle Kaffeesorten stammen aus fairem Handel. Und auch was das große Umweltlaster der Plastikkapseln angeht, forscht das Unternehmen nach umweltfreundlichen Alternativen, auf die man so bald wie möglich umstellen will.

1.000 Fehler und trotzdem alles richtig

Freizeit wird auch in Zukunft ein knappes Gut für Nora sein. „Aber ich würde auf keinen Fall wieder in mein altes Berufsleben zurückgehen wollen.“ Energie tankt sie in ihrer Beziehung. Freud und Leid des Geschäftsführerdaseins und die straffen Arbeitszeiten teilt sie mit ihrem Partner, der ebenfalls ein Start-Up-Unternehmen leitet. Über die Strapazen ihrer Anfänge sagt die furchtlose Frau heute: „Ich habe in den letzten drei Jahren sicher mehr als 1.000 Fehler gemacht und trotzdem ist es mir gelungen, das Geschäft zum Erfolg zu führen. Ich habe längst nicht ausgelernt, auch heute noch ist die Lernkurve sehr steil. Aber gerade das hält mich auf dem Weg … und eine gute Tasse Kaffee natürlich.“

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