Mithilfe des Right Now Climate Funds unterstützt Amazon das Urban-Greening-Programm von The Nature Conservancy (TNC), um die Folgen des Klimawandels mit naturbasierten Lösungen einzudämmen. Das Programm wird für die Begrünung von Städten Modelle entwickeln, die sich in ganz Europa umsetzen lassen. Der Auftakt erfolgt in Berlin und an zwei weiteren deutschen Standorten. Im Interview erzählt Dr. Kerstin Pfliegner, Direktor bei The Nature Conservancy Deutschland, mehr über die Organisation, das Projekt und welche Chancen sich dadurch für unsere Welt ergeben.

Frau Dr. Pfliegner, Amazon hat gerade bekannt gegeben, ein Naturschutz-Projekt in Berlin von The Nature Conservancy finanziell zu unterstützen. Was ist The Nature Conservancy genau?
Wir sind eine globale Naturschutzorganisation und widmen uns der Erhaltung der Gebiete und Gewässer, die letztlich die Grundlage unseres Lebens bilden. Auf wissenschaftlicher Basis entwickeln wir vor Ort innovative Lösungen für die schwierigsten Herausforderungen unserer Welt, damit Natur und Menschen im Einklang leben können. Wir bekämpfen den Klimawandel, schützen Land, Gewässer und Ozeane, bieten nachhaltige Lösungen zur Lebensmittel- und Wasserversorgung und tragen dazu bei, Städte nachhaltiger zu machen. Momentan sind wir in 79 Ländern und Territorien aktiv.

Dr. Kerstin Pfliegner, Direktor bei The Nature Conservancy Deutschland
Dr. Kerstin Pfliegner, Direktor bei The Nature Conservancy Deutschland

Um was genau geht es beim Urban-Greening-Programm?
Städte sind sehr wichtig im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels. Die Einwohner erleben den Klimawandel hautnah mit – zum Beispiel Überschwemmungen und extreme Hitzeereignisse in den vergangenen Jahren.
Beim Urban-Greening-Programm suchen wir nach naturbasierten Lösungen, um Städte widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen. Ein integriertes Begrünungskonzept zielt darauf, mit lokalen Verwaltungen und Organisationen zu kooperieren und gemeinsam Pläne zu entwickeln und umzusetzen. Der Schwerpunkt des Programms liegt auf Klimaanpassung und Biodiversität. Unser Ziel ist, das Problem der Wärmeinseln und der städtischen Überschwemmungen anzugehen. Darüber hinaus arbeiten wir an der Entwicklung von urbanem Grünland, der Erhöhung der Artenvielfalt, insbesondere von Bestäubern wie Wildbienen.

Warum startet das Projekt in Berlin?
Für Berlin sprechen mehrere Gründe: Erstens baut das Projekt auf einer bereits bestehenden TNC-Partnerschaft mit einem der größten Bezirke Berlins, Charlottenburg-Wilmersdorf, auf. Zweitens nimmt Berlin als Hauptstadt Deutschlands eine Vorbildfunktion ein. Drittens ist die politische Handlungsbereitschaft auf kommunaler Ebene in Berlin groß: 2019 wurde der Klimanotstand ausgerufen. Außerdem schützt und erkennt Berlin bereits seit Jahrzehnten städtische Räume als wertvoll an, die anderswo als „Schandfleck“ wahrgenommen werden, wie z. B. Brachen.


Amazon unterstützt Städte im Kampf gegen Klima-Folgen

Amazon unterstützt mit 3,75 Millionen Euro das Urban-Greening-Programm der Umweltschutzorganisation The Nature Conservancy (TNC), um Städte widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen. Der Auftakt erfolgt in Berlin im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf.

Wie sieht der Zeitplan für das Projekt aus?
Unsere wissenschaftlichen Arbeiten werden im Juni 2020 im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf beginnen, mit dem wir bereits eine Partnerschaft geschlossen haben. Eine unserer Mitarbeiterinnen wird als Leiterin des Forschungsprojekts als Gastwissenschaftlerin im Fachbereich Naturschutz des Umwelt- und Naturschutzamtes angesiedelt sein.
Zu Beginn wird der Forschungs- und Beteiligungsprozess an jedem Standort voraussichtlich etwa ein Jahr bis zu 15 Monate dauern. Ab diesem Zeitpunkt können wir erste Ergebnisse veröffentlichen, und die Kommunen und andere Partner können mit der Umsetzung der Pläne beginnen. Für weitere drei Jahre werden Projekte finanziert, sowie der Erfahrungsaustausch zwischen den Kommunen und weiterer, andauernder Erkenntnisgewinn.

Wie wird gewährleistet, dass das Projekt erfolgreich ist?
Alle Teilnehmer, einschließlich der Bezirke, sind fest entschlossen, im Rahmen dieses Programms effektive Maßnahmen zu entwickeln. Um die langfristige Wirksamkeit der Projekte sicherzustellen, werden alle Aufgaben vollständig in die Planungsrahmen der Bezirke integriert. Berlin als Stadtstaat bietet dafür den richtigen politischen Rahmen und die passenden Entscheidungsfindungsprozesse. Gemeinsam mit unseren hochengagierten TNC-Mitarbeitern vor Ort und der Unterstützung der sehr klimabewussten Bevölkerung in Berlin und Deutschland insgesamt können wir auf vielversprechenden Bedingungen aufbauen.

Wer kümmert sich langfristig um die begrünten Flächen?
Das Programm ist so konzipiert, dass es direkt in lokale Strukturen eingebettet ist und es den Kommunen ermöglicht, langfristig Eigenverantwortung für die Projekte zu übernehmen. Von Anfang an werden in jedes Projekt langfristige Finanzierungs- und Wartungsvereinbarungen integriert. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dies sicherzustellen, und die Einzelheiten hängen vom jeweiligen Begrünungsprojekt ab: Die Stadtverwaltungen könnten zum Beispiel über die Dauer des Programms hinaus Betreuungsaufgaben an lokale Initiativen oder andere Partner delegieren.

Hat TNC bereits Erfahrungen mit ähnlichen Projekten gemacht?
Ja. Wir haben bereits in anderen Städten auf der ganzen Welt an ähnlichen Projekten gearbeitet. In San Francisco zum Beispiel leitete TNC ein Konsortium lokaler Verwaltungen und Umweltverbände, um den Bay Area Greenprint zu erstellen. Das ist ein interaktives Tool, mit dem städtische Amtsträger fundiertere Verwaltungsentscheidungen treffen können, zum Beispiel wenn es darum geht, neue Verkehrsinfrastruktur zu planen.
Mit Urban Greening bringen wir ein ähnliches Projekt auch nach Europa, um Städte umweltfreundlicher zu machen. Unsere Erkenntnisse aus anderen Projekten zeigen, dass die Natur kostengünstige Optionen bieten kann, um die Widerstandsfähigkeit von Städten in Zeiten des Klimawandels zu erhöhen.

Inwiefern passt das Programm zum Climate Pledge von Amazon?
Das Urban-Greening-Programm verändert zwar nicht per se Amazons Fußabdruck oder trägt dazu bei, CO2 zu reduzieren, aber die naturbasierten Lösungen können die Auswirkungen des Klimawandels wie extreme Hitze, Überschwemmungen in den Städten und den Verlust der biologischen Vielfalt verringern und Städte widerstandsfähiger machen. Auch das ist wichtig. Und wir freuen uns sehr, dass Amazon unser Vorhaben unterstützt.