Wie funktioniert die Einarbeitung neuer Mitarbeiter:innen in den Logistikzentren? – Stefan Hölter ist Senior Learning Program Manager und ein Experte für innerbetriebliche Schulungen und Weiterentwicklungen. Seit neun Jahren ist er bei Amazon: „Da hat sich sehr viel getan“, sagt er. Der klassische Weg der Einarbeitung, wie ihn viele kennen, ist der persönliche: „So genannte Instruktoren, das sind erfahrene und speziell geschulte Mitarbeiter:innen, weisen die neuen Kolleg:innen in die Arbeitsprozesse ein. Meistens passiert das in kleinen Gruppen.“

Die herkömmliche Einarbeitung birgt laut Stefan auch Nachteile: „Die Informationsvermittlung ist etwas geballt: Der Kollege oder die Kollegin bekommt viele Infos auf einmal, aber nicht zu dem Zeitpunkt, wo sie wirklich gebraucht werden. Viele Fragen ergeben sich erst beim Arbeiten.“ Deshalb setzt Amazon immer mehr auf zusätzliche Software, die unsere Mitarbeiter:innen bei der Einarbeitung unterstützt: „Wir haben In-App-Trainings, die den Mitarbeitern Hilfestellung geben. Dazu wird das entsprechende Modul am Bildschirm abgespielt, und zwar in der jeweils gewünschten Sprache“, erklärt Stefan Hölter.

Ich denke, das digitale Lernen kann Mitarbeiter:innen in vielen Bereichen die Arbeit erleichtern und die Arbeitsumgebung verbessern. Das ist ein großes Potenzial für die Zukunft.
Stefan Hölter, Senior Learning Program Manager bei Amazon

Ist beispielsweise der Barcode verschmutzt und kann vom Scanner nicht gelesen werden, zeigt die Software, was zu tun ist. „Manchmal werfen auch spezielle Artikel Fragen bei Mitarbeiter:innen auf“, sagt Stefan. „Beispielsweise werden Gefahrgutartikel anders verpackt. Auch hier gibt das System die nötige Hilfestellung und Anweisung.“ Die softwaregestützte Einarbeitung soll die menschliche nicht ersetzen, sondern verbessern. „Auf diese Weise können sich unsere Instruktoren auf ein echtes und individuelles Coaching konzentrieren – anstatt nur Standardprozesse zu erklären.“

Die In-App-Trainings werden seit 2019 im deutschen Logistiknetzwerk eingesetzt. „Wir haben die Software an festen Arbeitsstationen mit Bildschirmen, unter anderem auch an allen Standorten mit Transportrobotern eingeführt,“ erläutert Stefan. Das interne Feedback sei sehr gut. „Unsere Mitarbeiter:innen sehen die Trainings als echte Hilfe. Darüber hinaus helfen uns die virtuellen Trainings in der Pandemie, die persönlichen Kontakte am Arbeitsplatz zu reduzieren und so zusätzlich zu unseren anderen Maßnahmen vor Corona zu schützen. Wir können aber auch Infos zu den Schichten an die Mitarbeiter:innen einspielen, für die vorher Teammeetings notwendig waren.“

Schulungsexperte Stefan Hölter sieht in virtuellen Trainingsmethoden viele Vorteile: „Ich denke, das digitale Lernen kann Mitarbeiter:innen in vielen Bereichen die Arbeit erleichtern und die Arbeitsumgebung verbessern. Das ist ein großes Potenzial für die Zukunft.“