Said, Timur, Ana, Alexa, Jens und Michael haben eins gemeinsam: Sie engagieren sich in der internen Affinity Group „glamazon“ bei Amazon für Vielfalt und Toleranz.

Ein Lkw mit der Aufschrift "Amazon Music" und feiernde Menschen beim CSD 2019

Schon in seinem Vorstellungsgespräch bei Amazon vor acht Jahren sprach Michael Beneke-Wysocki von sich aus über seine Homosexualität und darüber, dass er gerade mit seinem Partner zusammengezogen war. „Ich wollte von vornherein selbstverständlich über mein Privatleben sprechen können, ohne mich zu verleugnen oder zu verstecken. Wenn ich gemerkt hätte, dass ein zukünftiger Arbeitgeber oder Vorgesetzter damit ein Problem haben, hätte ich mich gegen das Unternehmen entschieden. Bei Amazon habe ich mich sofort willkommen gefühlt“, sagt Michael rückblickend.

Heute arbeitet der 31-Jährige als Enterprise Account Manager bei Amazon Web Services und ist dort für Großkunden verantwortlich. Mit seinem damaligen Freund ist er seit drei Jahren glücklich verheiratet. Da Michael amerikanischer Staatsbürger ist, entschieden sie sich für eine Eheschließung in Kalifornien. Der Verzicht auf eine vollständig anerkannte Ehe kam für ihn und seinen Mann nicht in Frage. „Vor drei Jahren gab es in Deutschland nur die Möglichkeit, eine eingetragene Lebenspartnerschaft zu schließen. Für uns fühlte sich das an wie eine Ehe zweiter Klasse“, erklärt Michael. Auch politisch engagiert sich Michael für die Legalisierung der Leihmutterschaft in Deutschland: „Wie alle Menschen haben auch viele homosexuelle Paare den Wunsch, Kinder zu haben und eine Familie zu gründen. Sie sind gezwungen, sich diesen Traum im Ausland zu erfüllen. Das wollen wir ändern.“

Sichtbar sein und Vorurteile abbauen

Die 28-jährige Spanierin Ana Valls Garcia kam vor acht Jahren als Studentin nach Deutschland. In ihrem Heimatland schloss das erste gleichgeschlechtliche Paar schon am 11. Juli 2005 die Ehe. Spanien war damals der dritte Staat Europas, der die Ehe für alle ermöglichte. Heute gilt das einst so traditionelle Spanien als eins der offensten Länder weltweit gegenüber Homosexuellen. Vor zwei Jahren trat Ana ihre erste richtige Stelle nach dem Studium bei Amazon in München als Brand Specialist Beauty an. Seitdem engagiert sie sich bei glamazon und ist bei allen Events der Gruppe dabei. Sie möchte der LGBTQ Community Sichtbarkeit geben und zeigen, dass Vielfalt und Toleranz in der Firmenkultur von Amazon fest verankert sind. LGBTQ steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und queere Menschen. Ana hat einen Freund und ist bisexuell. „Eigentlich mag ich solche Labels nicht, weil sie keine Bedeutung haben sollten, aber aktuell ist es noch wichtig für die Gesellschaft, es zu kommunizieren“, findet Ana. „Nur so können wir zeigen, dass wir Menschen wie alle anderen sind.“

Offenheit bringt Respekt und Unterstützung

Timur Seyrek arbeitet als Senior Product Manager Customer Experience und ist schon seit fast 15 Jahren bei Amazon in München. Seine Homosexualität hat der 44-Jährige von Anfang an offen gelebt. „Ich hatte auch zwei Beziehungen mit Kollegen. Mein zweiter Freund war anfangs etwas zurückhaltend, dazu zu stehen, doch nach ein paar Monaten ging auch er ganz offen mit unserer Beziehung um und merkte, dass die Kollegen ihm mit Respekt und Wohlwollen begegneten“, so Timur. Vor einigen Jahren erfuhr er von der größten glamazon-Gruppe in den USA und fragte sich, warum es eine solche Community nicht auch bereits in Deutschland gibt. Der Ursprung von glamazon geht zurück ins Jahr 1999, als ein Mitarbeiter in Seattle die „glamazon“-E-Mail-Liste ins Leben ruf. „G“ und „L“ standen für „Gay“ und „Lesbian“. Aus dieser E-Mail-Liste entstand 2005 eine Community, die sich über die USA hinaus vernetzte.

Es ist gut zu zeigen: Wir sind hier, wir sind viele und wir sind nur nicht nur die LGBTQ Community, sondern alle Kollegen, die uns unterstützen und mit uns die Liebe feiern
Ana Valls Garcia, Brand Specialist Beauty Amazon

Die Idee inspirierte auch Timur. Gemeinsam mit einem Freund und Kollegen gründete er 2017 die erste deutsche glamazon-Gruppe. Ralf Kleber, Country Manager von Amazon.de, unterstützte die Initiative von Beginn an und warb bei allen Amazonians für die neue Gruppe. „Der Beistand von oben ist wichtig und gab uns den entscheidenden Push. Heute sind wir 170 Mitglieder und freuen uns über jeden, der dazu kommt. Besonders schön ist, dass uns auch zahlreiche Heteros unterstützen“, sagt Timur. Zwei von ihnen sind die Amerikanerin Alexa Mann und der gebürtige Münchner Jens Kopel. Alexa hat viele Freunde und Familienangehörige, die zur LGBTQ Community gehören und weiß, dass sich noch immer einige bei ihren Arbeitgebern verstellen und privaten Fragen aus dem Weg gehen. Sie möchte ihre Kollegen unterstützen, so zu sein, wie sie wirklich sind. Auch Jens, der seit 2016 bei Amazon Music arbeitet, ist es wichtig, sich für seine Kollegen zu engagieren. Und zwar laut und mit ordentlich Dezibel – als DJ auf dem glamazon-Wagen beim Christopher Street Day.

Vielfalt hat keine Grenzen

Weltweit gibt es bei Amazon mehr als 40 glamazon-Gruppen. In zahlreichen Ländern ziehen sie bei den Paraden am Christopher Street Day für Toleranz und Gleichberechtigung durch die Straßen der Großstädte. Said Fezazi ist in Venezuela aufgewachsen und hat in Europa studiert. Seit 2016 arbeitet der 34-Jährige im Marketing bei Amazon, und seit kurzem ist er der Präsident von glamazon Deutschland. „In den Unternehmen, in denen ich vorher tätig war, gab es solche Gruppen nicht“, sagt Said. Im vergangenen Jahr schlug er vor, mit glamazon beim Christopher Street Day in München teilzunehmen. Seine Idee fand sofort Anklang beim deutschen Management. Mit einem bunt geschmückten Amazon-Wagen zog glamazon 2018 zum ersten Mal in Deutschland auf einer CSD-Parade durch München.

Auch in diesem Jahr ist glamazon wieder mit dabei – diesmal nicht nur in München, sondern auch kurz darauf in Berlin. „In diesem Jahr erinnern wir mit unserer Teilnahme an „50 Jahre Stonewall“. Im Jahr 1969 wehrten sich in der Christopher Street in Manhattan Besucher der Schwulen- und Transszene-Bar „Stonewall Inn“ gegen willkürliche Kontrollen und Schikanen. „Stonewall war der Anfang des Kampfes für Gleichberechtigung und Anerkennung der LGBTQ Community“, so Said. „Seitdem haben wir viel geschafft. Ich bin glücklich zu sehen, wie viele Kollegen in diesem Jahr in München und Berlin mit uns die Liebe feiern. Unser größter Wunsch für die Zukunft aber wäre, dass wir den Christopher Street Day irgendwann gar nicht mehr brauchen, weil die Gleichberechtigung dann einfach eine Selbstverständlichkeit ist“.