Es war kein Businessplan, in dem die Idee für die Ring-Videosprechanlage geboren wurde. Alles begann mit einem Life-Hack. Im Jahr 2012 arbeitete Jamie Siminoff in seiner heimischen Garage an verschiedenen Geschäftsideen. Von dort konnte er nicht hören oder sehen, wenn jemand an seiner Haustür stand. Er war sich sicher, dass es Türklingeln geben musste, die sich mit einem Smartphone koppeln ließen, und so suchte er genau danach.

Als ihm klar wurde, dass es so etwas noch nicht gab, improvisierte er, „ohne wirklich darüber als eine Erfindung nachzudenken, sondern einfach nur als Lösung für mein eigenes Problem“. Für Siminoffs Frau ist die Klingellösung als das Beste, was er je gebaut hatte, nicht zuletzt weil sie sich dank der Klingel sicherer fühlte.

Die Firma Ring, die Jamie Siminoff letztlich gründete, ist nun Teil von Amazon. Vor der Übernahme war Home-Security-Start-up Ring bereits eines von mehreren Unternehmen, die vom Alexa Fund unterstützt wurden. Alexa Fund ist der 200 Millionen US-Dollar umfassende Venture-Capital-Fonds von Amazon, mit dem Innovationen im Bereich Voice Tech gefördert werden.

Der Voice-Tech-Boom beginnt

Vor weniger als fünf Jahren begann Alexa, das alltägliche Leben zu verändern – von der Art und Weise, wie wir Lebensmittel einkaufen, bis zum Regeln der Raumtemperatur. Mittlerweile ist es selbstverständlich geworden mit dem Sprachbefehl „Alexa“ eine ganze Reihe von Dingen zu tun. Und dank mehrerer Millionen Alexa-fähiger Geräte in Millionen von Haushalten hat eine beispiellose Entwicklung begonnen.

Diese Entwicklung begann mit einem kleinen schwarzen Lautsprecher – doch Echo und Alexa waren ursprünglich nie dafür gedacht gewesen, ein exklusives Duo zu werden. Amazons Ziel war es, eine Community aufzubauen rund um Alexa, den leistungsstarken Sprachdienst, der intelligente Geräte zum Leben erweckt. Um dies zu erreichen, führte Amazon mit dem Alexa Skills Kit (ASK) und dem Alexa Voice Service (AVS) umfassende Entwicklerdienste ein, startete einen 3,5 Millionen US-Dollar schweren Uni-Wettbewerb für die Weiterentwicklung künstlicher Intelligenz mit Schwerpunkt Sprache und gründete den Alexa Fund.

Amazon Alexa Fund Director Paul Bernard, in einem blau weiß karrierten Hemd, mit hoch gekrempelten Ärmeln. Er sitzt an einem dunkelbraunen Holztisch.
Paul Bernard, Direktor des Alexa Fund von Amazon

Der Fonds fördert Unternehmen in ihren verschiedenen Wachstumsphasen, von Start-ups bis hin zu etablierten Marken. Zusätzlich zu finanzieller Hilfe bekommen Portfoliounternehmen Unterstützung beim Aufbau von Verbindungen innerhalb von Amazon und erhalten frühzeitigen Zugriff auf Entwicklertools, die die Integration von Sprache in ihr Unternehmen erleichtern. Der Alexa Fund bietet außerdem praktische Unterstützung während der Produktentwicklung und hilft bei Marketing und Verkauf auf Amazon.com.

Seit seiner Gründung im Jahr 2015 hat der Alexa Fund in mehr als 40 Unternehmen investiert, darunter der Thermostat-Hersteller Ecobee, der Bluetooth-Tracking-Service TrackR und das Home-Security-Start-up Ring. Das zusätzliche Kapital hat dazu beigetragen, den Weg für viele Alexa-fähige Geräte wie den Smart-Thermostat ecobee4 und zahlreiche Technologien und Skills zu ebnen, die das Alexa-Erlebnis noch besser machen.

„Die Oberfläche von Alexa – also die Funktionalität, die den Entwicklern zur Verfügung steht – hat sich seit unserer Gründung entscheidend ausgeweitet“, sagt Paul Bernard, Direktor des Alexa Fund. Neben direkten Investitionen hat sich der Alexa Fund mit Tech-Stars zusammengeschlossen, um einen Alexa Accelerator zu kreieren. Außerdem wurde das Alexa Fund Fellowship an Universitäten wie Carnegie Mellon und Johns Hopkins etabliert.

Die Fellowships an der Universität helfen bei der Erstellung von Lehrplänen und vermitteln Studenten praktische Erfahrung im Bereich Sprachtechnologie. „Im Idealfall werden einige dieser Studenten Unternehmen gründen“, meint Paul Bernard, „und wir können sie als Investoren unterstützen, wenn sie sich vom Studenten zum Unternehmer entwickeln.“

Dank so vieler Projekte rund um das Thema Sprachtechnologie sind Unternehmen heute bereits bedeutend weiter, wenn es darum geht, über die Nutzung und Integration von Alexa nachzudenken, so der Direktor des Alexa Fund. Er ist auf der Suche nach Investitionen, die nicht nur großartige Möglichkeiten für Kapitalanlagen bieten, sondern eben auch die Funktionalität von Alexa verbessern. „Beide Kriterien sind für uns gleich wichtig“, sagt er. „Das macht unseren Ansatz einzigartig.“

Chancen für Ring

Das Home-Security-Start-up Ring ist ein gutes Beispiel. Das Unternehmen half bei der Gestaltung der Kamerafunktionen, die mit dem Launch des Echo Show eingeführt wurden. Mithilfe des Smart Home Skills API (Application Programming Interface) gab Ring seinen Kunden die Möglichkeit, Live-Feeds von der Haustür oder von Außenkameras auf den Bildschirm des Echo Show einzubinden, zum Beispiel über den Befehl: „Alexa, zeig mir die Wohnungstür.“

„Allgemein gesprochen waren die Alexa-Fund-Portfoliounternehmen bei einigen dieser wirklich wichtigen Alexa-Neueinführungen hautnah dabei“, sagt Paul Bernard und erklärt, dass die Amazon Investitionen Unternehmen ermutigen, mehr mit Sprache zu experimentieren.

Jamie Siminoff, Gründer des Unternehmens Ring. Er trägt ein hellblaues T-Shirt und blickt direkt in die Kamera.
Jamie Siminoff, Gründer und Geschäftsführer von Ring

Jamie Siminoff glaubt, dass die Investitionen des Alexa Fund den Weg für die Zusammenarbeit mit dem Alexa-Team ebneten, denn gemeinsam erarbeiteten sie , wie die Ring-Sicherheitsgeräte und der Echo Show im Sinne einer besseren Kundenerfahrung kombiniert werden könnten. Doch auch schon vor der Investition des Fonds im Jahr 2016 hätten die Unternehmen Gespräche darüber geführt, wie man kooperieren könne.

„Bei der Zusammenarbeit mit Amazon geht es um langfristige Kollaborationen“, sagt der Unternehmensgründer über die seit vier Jahren andauernde Partnerschaft. „Jedes Jahr gab es Dinge, die aus diesen Gesprächen oder Treffen entstanden und die für beide Unternehmen vorteilhaft waren.“

Rings Türklingeln und -kameras sind ein virtuelles Guckloch; sie machen es möglich, mit Besuchern von überall zu sprechen und Eindringlinge zu filmen. Sie bieten „Anwesenheit“ in Wohnungen, wie Jamie Siminoff es nennt – auch wenn die Bewohner gerade außer Haus sind.

Das Unternehmen konnte zunächst genug Presale-Kunden akquirieren, um die Konstruktion der Erstversion der Ring-Video-Türklingel anzugehen, aber die Anleger hatten Zweifel: „Ihre Berater sagten, dass es unmöglich sei, eine HD-WLAN-batteriebetriebene Kamera zu bauen“, sagt Jamie Siminoff. „Es stellte sich dann heraus, dass das wirklich sehr schwierig war – aber nicht unmöglich.“

Ein Auftritt im Jahr 2013 bei „Shark Tank “ brachte ebenfalls keinen Deal, generierte aber genügend Verkäufe, um den drohenden Misserfolg zu vermeiden. Besorgt, dass der ursprüngliche Name zu technisch klingen könnte, firmierte der Erfinder den „DoorBot“ zu „Ring“ um und kurz darauf kamen Investoren wie True Ventures, Richard Branson und der Alexa Fund hinzu. Ring-Produkte sind mittlerweile in mehr als 82 Ländern auf der ganzen Welt bei mehr als 2 Millionen „Nachbarn“, wie Ring seine Kunden nennt, in Gebrauch.

Paul Bernard war zunächst von der Ring-Idee fasziniert und nach der Installation eines Gerätes bei sich zu Hause komplett begeistert: „Ich war sofort überzeugt“, sagt er. Außerdem gefiel ihm die übergeordnete Mission des Unternehmens, zur Vermeidung von Nachbarschaftskriminalität beizutragen: Eine Pilotstudie von Ring in Zusammenarbeit mit dem Los Angeles Police Department ergab, dass sich die Zahl der Einbrüche um mehr als die Hälfte verringert, wenn Video-Türklingeln in 10 Prozent der Häuser eines Viertels installiert sind.

Das Pilotprogramm „vermittelte mir den Eindruck, dass Jamie sein Geschäft als etwas Größeres betrachtete als nur ein einfaches Produkt“, so Paul Bernard.

Als Ring für den Launch von Echo Show mit Amazon zusammenarbeitete, „spitzte sich alles zu“, erzählt er. „Wir waren von der Firma und von allem, wofür sie stand, begeistert, und dann ergab sich dieser wirklich eindeutige Weg zur Kooperation für Alexa, der alles übertraf.“

Jamie Siminoff, founder of Ring, stands in a workspace with concrete floors at Ring headquarters in Santa Monica, CA.

Alexas Grenzen verschieben

Nun, da Ring ein Teil von Amazon ist, will Jamie Siminoff die Zusammenarbeit weiterführen, neue Funktionen entwickeln, die Sicherheits- und Alarm-APIs verbessern, die auch für Alexa-Entwickler bei externen Unternehmen interessant sind, und so für bessere Kundenerfahrungen sorgen, die weit über das eigene Unternehmen hinausgehen.

Ring ist nur eine der vielen haushaltsbezogenen Ideen, die der Alexa Fund unterstützt. Paul Bernard betont, dass der Fond auch in Technologien investiert, die Alexa auf andere Umgebungen ausweiten. So baut Vesper beispielsweise widerstandsfähige Mikrofone, die in einer Vielzahl von Alexa-basierten Produkten integriert werden können, von Kopfhörern bis zu Autos.

Die Gemeinschaft von Entwicklern und Ideen, die Amazon mit dem Alexa Fund anstoßen wollte, floriert jetzt. Bedeutet das, dass der Fond seine Mission erfüllt hat?

„Wir haben genau das Gegenteil bemerkt“, sagt er. „Je mehr wir schaffen, desto mehr neue Möglichkeiten stehen noch vor uns.“

Und dieser Sinn für grenzenlose Möglichkeiten für zukünftige Innovationen in der Sprachtechnologie hat tatsächlich einen schönen Klang.