Die Vorstellung meiner Seheinschränkung kann man einfach erklären. Es ist wie durch eine Folie oder ein Milchglas zu blicken. Ich habe keine Gesichtsfeldeinschränkungen, d. h. ich habe keinen „Tunnelblick“ und kann mich auch ohne Blindenstock frei bewegen. Schwierig sind neue Umgebungen, in denen mir die Wege nicht vertraut sind.


Sehen statt hören: Gebärdensprache für gehörlose Amazon Mitarbeiter

In Werne gibt es zur Integration gehörloser Mitarbeiter viele Maßnahmen, unter anderem Gebärdensprachkurse für alle Kollegen oder ein neues Videosystem: Es wird gerade für den Einsatz für Schichtbesprechungen getestet.

Mein Name ist Marvin Reher, ich bin 25 Jahre alt und komme aus Hamm, dem Herzen von Nordrhein-Westfalen. Ich bin gelernter Kaufmann für Büromanagement und arbeite seit Juli 2019 bei Amazon in Werne als Telefonist. Meine Aufgaben: Ich nehme unter anderem die Krankmeldungen von Kollegen entgegen und unterstütze bei täglich anfallenden Büroarbeiten.

Durch meine eingeschränkte Sehfähigkeit bin ich bei der Arbeit auf Hilfsmittel angewiesen. In meinen früheren Jobs habe ich damit unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Ehrlich gesagt: Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Arbeitgeber Menschen mit Behinderungen entgegenkommt. Amazon tut das. Die Hilfsmittelausstattung für blinde und sehbehinderte Menschen hier bei Amazon ist bei weitem besser als bei meinem letzten Arbeitgeber.

Mein Computer ist mit einer Braillezeile ausgestattet: Das ist eine Tastatur mit Braillezeichen-Beschriftung. Zusätzlich arbeite ich mit einer speziellen Vergrößerungssoftware mit Screen Reader, also einer Sprachausgabe. Inhalte auf dem Computer können dadurch als Sprache oder über die Braillezeile ausgegeben werden. Für Dokumente in Papierform habe ich ein Bildschirmlesegerät, das im Prinzip wie eine große Lupe funktioniert. Und wenn ich unterwegs bin und Dokumente lesen muss, benutze ich eine mobile elektronische Handlupe.

Wie bin ich auf Amazon gekommen? – Das war durch ein Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit. Da habe ich erfahren, dass das Logistikzentrum in Werne sehbehindertengerechte Arbeitsplätze anbietet. Eigentlich war die Bewerbungsfrist dafür schon abgelaufen. Aber meine Arbeitsvermittlerin und der zuständige Schwerbehindertenvertreter von Amazon haben es möglich gemacht, dass ich mich dennoch bewerben konnte.

Ich hatte mir Amazon ganz anders vorgestellt. Nicht so interessant und harmonisch, kein so freundliches Miteinander. Was mir besonders gefällt, ist das Arbeitsklima: die ruhige und gelassene Atmosphäre und das verantwortungsvolle Arbeiten. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen und Vorgesetzten klappt gut. Bei Fragen erhält man ein schnelles Feedback.