Wer hätte gedacht, dass in Deutschland produzierte Fischölkapseln oder Männer-Haarshampoo zum Verkaufsschlager in den USA werden? Oder, dass ein hierzulande entwickeltes Audiosystem für Kinder, die Toniebox, im Rekordtempo amerikanische Kinderzimmer erobert? Für Rolf Kimmeyer keine große Überraschung. „Deutsche Innovationen verkaufen sich international besonders gut“, weiß der Leiter von Amazon Global Selling Deutschland in Berlin. Sein rund 30-köpfiges Team unterstützt den deutschen Mittelstand und Amazon Verkaufspartner:innen dabei, Fischölkapsel und Audiosystem für Kinder, Solaranlagen oder E-Autoladestationen über den großen Teich und in die ganze Welt zu bringen. Genauer gesagt bei Amazon.com, .ae, .au, .jp und damit an Kund:innen in über 200 Länder weltweit.

Mut machen, beraten, ermöglichen

Welche Steuern muss ich wo abführen? Welche Sicherheitsbestimmungen muss man in den USA bei Elektronik erfüllen? Kann ich dort nicht sofort verklagt werden? Wie kommen meine Produkte überhaupt von meinem Lager in der Uckermark nach Tokio oder Tel Aviv? Bei diesen und unzähligen weiteren Fragen können Rolf und sein Team helfen. „Wir sind Mutmacher:innen und Ermöglicher:innen“, sagt Rolf. „Wir unterstützen unsere Partner:innen zum Beispiel dabei, nationale gesetzliche Vorgaben zu erfüllen, Haftungsfragen zu beantworten, ihre Produktseiten zu übersetzen oder Marketing-Maßnahmen zu definieren. Wir vermitteln auch kompetente Ansprechpartner:innen zum Thema Recht, Steuern und Produkthaftung über unser Service-Provider-Netzwerk und bringen den Händler:innen unseren weltweiten Versandservice Versand durch Amazon (FBA) nahe, der es ihnen ermöglicht, ihre Produkte ohne eigene Logistik vor Ort an ihre Kund:innen zu schicken.“

In Berlin-Mitte ansässig, ist das Team genauso multikulturell, wie die Märkte, die es betreut: Vom tiefsten Schwaben über Israel, den Iran bis in die USA und nach Brasilien – die rund 30 Kolleg:innen kommen aus neun unterschiedlichen Nationen. Sicherlich auch ein Grund dafür, dass sie so erfolgreich damit sind, selbst eingesessenen deutschen Händler:innen den internationalen Verkauf schmackhaft zu machen und die berüchtigte „German Angst“ zu überwinden.

Männer und Frauen mit Headsets in einer Videokonferenz lachen in die Kamera.

Rolfs (Dritter in der ersten Reihe) Team kommt aus neun unterschiedlichen Nationen. Wie bei vielen anderen Teams finden Meetings und Feierlichkeiten aktuell aus dem Homeoffice am Bildschirm statt.

Von der Nische zum Bestseller

„Viele deutsche Verkaufspartner:innen sind auf ihren heimischen Markt fokussiert und stellen sich den internationalen Handel viel komplizierter vor, als er mit unseren Services ist“, sagt Rolf. „Dabei schlummert in vielen Produkten ein riesiges Potential für die große weite Welt.“ Gerade qualitativ hochwertige Artikel, die in Deutschland oft nur kleinere Nischen bedienen, sind international häufig sehr viel gefragter. „Die Amerikanerinnen und Amerikaner lieben europäische Produkte. Selbst eine Nische, wie etwa Hochseeanglerbedarf , PC-Kühlungsanlagen oder nachhaltiges Yoga-Zubehör, trifft bei Amazon.com auf eine viel größere Zielgruppe. Hier erreicht man sämtliche angelbegeisterte, Gaming-affine und umweltbewusste, Yoga-praktizierende Amazon Kund:innen und die Nische ist plötzlich gar nicht mehr so klein.“ Zudem ist manches, was in Deutschland als extravagante Nische gilt, anderswo Mainstream. Zum Beispiel das Golfspielen, das in den USA als Breitensport praktiziert wird. „Zielgruppen enden heute nicht mehr an Ländergrenzen. Sie definieren sich vielmehr über gemeinsame Interessen, Leidenschaften oder einen spezifischen Lifestyle“, sagt Rolf.

Im globalen Kontext werden lokale Produkt-Nischen ganz schnell große Absatzchancen.
Rolf Kimmeyer, Leiter von Amazon Global Selling bei Amazon Deutschland

Wer den ersten Schritt gewagt und sich für den internationalen Verkauf registriert hat, für den zahlt sich diese Investition oft schon innerhalb kürzester Zeit aus. So konnte die Firma Boxine Ende 2020 einen erfolgreichen Start ihrer Toniebox in den USA unter anderem durch den Verkauf über Amazon.com erreichen. Oder Velmia, ein kleines Startup aus der Oberpfalz, das seit vier Jahren Fahrrad- und Motoradzubehör auf Amazon.de vertreibt und seit der Internationalisierung vor anderthalb Jahren heute bereits knapp die Hälfte Ihres weltweiten Amazon-Umsatzes allein auf Amazon.com in Nordamerika erzielt. „Die Beispiele Boxine und Velmia zeigen, dass hochwertige Eigenmarken und Startups international großes Potential haben, schnell und skalierbar erfolgreich zu expandieren“, so Rolf.

„Irgendwo ist immer Strand- oder Winterwetter“

Auf mehreren Märkten zu verkaufen bedeutet aber nicht nur mehr Umsatz, sondern hilft auch dabei, Geschäftsrisiken besser abfedern zu können. „Die Corona-Krise zeigt das ganz deutlich“, erläutert Rolf. „Viele unserer Verkaufspartner:innen können die Herausforderungen, die durch Lockdowns und fehlende stationäre Reichweite entstehen, durch den Onlinehandel mehr als ausgleichen. Saisonware, wie Winterkleidung aus diesem Herbst oder Sommerkleidung aus dem letzten Frühjahr, die sich in Deutschland aufgrund der Geschäftsschließungen nicht gut verkaufen ließ, findet stattdessen in anderen Ländern ihre Abnehmer. Denn glücklicherweise ist ja immer irgendwo auf der Welt Strand- oder Winterwetter.“