Zum Jahreswechsel hat sich so mancher gute Vorsätze gesteckt. Bei einigen zählt dazu sicherlich auch der Jobwechsel, um neue Wege zu gehen oder beruflich weiterzukommen. Auch innerhalb von Amazon werden Stellen immer wieder durch interne Bewerbende besetzt, weil das Unternehmen seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei unterstützt, neue Chancen wahrzunehmen und sich weiterzuentwickeln. Aber Amazon sucht auch Impulse von außen, Menschen, die andere Erfahrungen und Hintergründe mit ins Unternehmen bringen. Zeit, mal bei Marzjanna Wollnik, Senior HR Regional Partner und ehemals Senior Recruiter für den Retail Bereich, nachzuhorchen, wie der Bewerbungsprozess bei Amazon eigentlich genau aussieht und was sie Bewerbenden rät.

Hallo Marzjanna! Sag mal, wie läuft ein Bewerbungsprozess bei Amazon ab?

Ganz pauschal kann man das gar nicht sagen. Das hängt davon ab, für welche Stelle man sich beworben hat und für welches Land. Trotzdem sind unsere Bewerbungsprozesse transparent. In eigentlich allen Fällen reichen die Kandidatinnen und Kandidaten ihre Bewerbung im ersten Schritt über unser Bewerberportal ein. Dann folgen Online-Tests, erste Telefoninterviews und Einzelgespräche direkt bei Amazon vor Ort. Dort treffen die Bewerbenden mindestens vier Amazonians über einen halben Tag verteilt. Uns interessiert, welche Erfahrungen sie in der Vergangenheit gemacht und was sie aus Situationen gelernt haben. Wir versuchen auch herauszufinden, inwiefern unsere Leadership Principles auch für sie wichtige Prinzipien sind, nach denen sie handeln.

Was fällt in Bewerbungen besonders positiv auf, was ist wichtig?

Recruiter bei Amazon schauen sich als erstes den Lebenslauf der Kandidatinnen und Kandidaten an. Deshalb ist ein gut strukturierter CV, der auch Informationen zu Tätigkeiten, Positionen und Verantwortung enthält, die halbe Miete. Strukturiert meint bei uns übrigens nicht lückenlos. Lücken im Lebenslauf sind kein Ausschlusskriterium. Auszeiten können ja wichtig sein. Wenn jemand ein Sabbatical genommen oder ein Buch geschrieben hat, dann freuen wir uns auf spannende Geschichten, die die Kandidatin oder der Kandidat zu erzählen hat. Wichtig ist, dass das Gesamtbild der Bewerbung stimmt. Manchmal gibt es auch Stellen, die mal ein halbes Jahr oder länger offen sind, denn auf die richtige Person warten wir gern.

Was ist die wichtigste Frage, die du Bewerberinnen und Bewerbern als Recruiterin gestellt hast?

Gerade in den ersten Telefoninterviews habe ich immer wieder zwei Fragen gestellt: Warum hat sich die Kandidatin oder der Kandidat bei Amazon beworben und welche Fragen hat sie oder er selbst an Amazon? Die Antworten zeigen mir, ob sich die/der Bewerbende mit Amazon beschäftigt hat und wie viel Erfahrung die- oder derjenige mitbringt. Nur wer gelernt hat, worauf es für sie oder ihn ankommt, kann die richtigen Fragen stellen.

Was müssen Bewerberinnen und Bewerber bei den persönlichen Interviews vor Ort erwarten? Gibt es einen Dresscode?

Nein, nicht wirklich. Die Kandidatinnen und Kandidaten bekommen vorher von uns Infos und Tipps für ihren Tag vor Ort zugeschickt. Uns ist es wichtig, dass sie sich wohlfühlen und was sie zu sagen haben. Beeindruckend sind klare, strukturierte Antworten. Bewerbende sollten mit Daten und Fakten argumentieren und daneben Leidenschaft und Risikobereitschaft demonstrieren.

Ein Interview, das mir im Gedächtnis geblieben ist, war mit einer Bewerberin, die frisch aus dem Mutterschutz kam und mich mit ihrer Leidenschaft und Zielstrebigkeit beeindruckt hat. Sie war davon überzeugt, Karriere und die Familie unter einen Hut bringen zu können. Diese Bestimmtheit hat mich und alle anderen Interviewpartnerinnen und -partnern beeindruckt. Diese Kollegin arbeitet seitdem bei uns und wir wollen sie und ihre ausgezeichneten Leistungen nicht mehr missen!

Perfekte Überleitung: Was rätst du Frauen, die gerade aus der Elternzeit kommen und wieder in den Job einsteigen möchten?

Amazonians sollten unbedingt mit ihrer Managerin oder ihrem Manager in Kontakt bleiben, um sich über alle Möglichkeiten, die ihnen offenstehen, auszutauschen. So können auch schon vorab verschiedene Fragen gemeinsam beantwortet werden: Wie viele Stunden möchte die Kollegin arbeiten, wie möchte sie ihren Arbeitsalltag gestalten und vieles mehr. Denn generell bietet Amazon verschiedene Modelle an: Egal ob „Work from Home“, Jobsharing oder flexible Arbeitszeiten, wir finden für alle unsere Kolleginnen und Kollegen eine passende Lösung. Deshalb arbeiten bei uns viele Mütter und Väter in Teilzeit.

Vor der Bewerbungsphase empfehle ich im Allgemeinen, das eigenen LinkedIn-Profil zu aktualisieren – am besten auf Englisch. Viele Recruiter, auch bei Amazon, sprechen über die Plattform geeignete Kandidatinnen und Kandidaten an. Es schadet nicht, mit den Recruitern in Kontakt zu bleiben und ein erstes Gespräch mit ihnen zu führen. Denn manchmal weiß man erst auf den zweiten Blick, was sich genau hinter einem Job bei Amazon verbirgt.

Studien zeigen, dass sich Frauen immer noch seltener auf Spitzenjobs bewerben. Ein Grund: Frauen schätzen ihre Erfolgschancen im Wettbewerb um Führungspositionen tendenziell geringer ein als Männer. Was würdest du einer Freundin sagen, die sich mit dieser Begründung gegen eine Bewerbung für eine Stelle bei Amazon entscheidet?

Ich würde sagen: Bewirb dich einfach! Auch, wenn du das Gefühl hast, dass du nicht alle Erwartungen erfüllst. Mal ganz ehrlich: Die „perfekte“ Kandidatin oder den „perfekten“ Kandidaten gibt es nicht. Wir wissen, dass wir es mit Menschen zu tun haben – und jeder Bewerber, jede Bewerberin ist individuell. Alle bringen unterschiedliche Erfahrungen, Fähigkeiten, Talente und Hintergründe mit. Deshalb sollten Bewerbende sich nicht selbst von einer Bewerbung abhalten, indem sie die Erwartung an sich stellen, alle Anforderungen vollumfänglich erfüllen zu müssen. Gute Argumente und Persönlichkeit zählen bei uns mehr.

Zum Abschluss: Welche Tipps hast du, um im Bewerbungsgespräch zu überzeugen?

Tipp Eins: Eine ordentliche Gesprächsvorbereitung ist das A und O. Wir lassen uns durch Stringenz und faktenbasierte Argumente überzeugen.

Tipp Zwei: Wir finden es gut, wenn Bewerbende die Gespräche auch dafür nutzen, um für sich herauszufinden, ob ein Job bei Amazon das Richtige für sie ist.

Und Tipp Drei: Aktualisiert euer LinkedIn-Profil und lasst euch auf ein Erstgespräch mit dem Recruiter ein. Es schadet ja nicht, sich Optionen offen zu halten.

Für Bewerberinnen habe ich noch einen besonderen Tipp: Frauen neigen oft dazu, ihre Erfolge als Leistungen des Teams zu verkaufen. Seid im Bewerbungsgespräch selbstbewusst und macht deutlich, was ihr individuell geleistet habt! Denn das ist, was zählt.