„Sitz, Platz, Fuß!“ – Jura und Roona gehorchen ihrem Herrchen Timo Haberzagl aufs Wort. Neben den Standardansagen gibt es ein weiteres Kommando, das die beiden Riesenschnauzer-Damen kennen und befolgen: „Such und hilf!“ Jura und Roona sind Teil unserer Organisation des Monats: der Förderverein Rettungshundearbeit Bebra e.V., der die DRK Rettungshundestaffel Rotenburg an der Fulda unterstützt. Bis zu 20 Mal im Jahr rücken die Hundeführer mit ihren Vierbeinern aus. Sie haben mit ihren sensiblen Spürnasen schon so manches Leben gerettet.

Suchtrupp auf vier Pfoten

Eine orientierungslose Person ist aus dem Krankenhaus entlaufen, draußen gehen die Temperaturen gegen Null. Ein klarer Fall für die Rettungshundestaffel. „Einer unserer Hunde fand die Person im Gebüsch liegend. Sie war gestolpert und konnte von alleine nicht mehr aufstehen“, erinnert sich Staffelleiter Timo Haberzagl. „Wir konnten sie sehr schnell ausfindig machen und rechtzeitig ins Krankenhaus zurückbringen. Wenn wir die Person nicht gefunden hätten, wäre das bei der Kälte sicher nicht so gut ausgegangen.“

Es ist die größte Belohnung für unsere Arbeit mit dem Hund, wenn dank ihm ein Mensch gerettet werden kann.
Timo Haberzagl, Staffelleiter der Rettungshundestaffel des Fördervereins Rettungshundearbeit Bebra e.V.

Es sind Fälle wie diese, zu denen die Rettungshundestaffel Rotenburg an der Fulda. gerufen wird: Kinder, die sich verlaufen haben, Demenzkranke, die sich nicht mehr orientieren können, Verkehrsunfallpatienten, die in der Nähe des Unfallortes im Schockzustand umherirren. Wo den Menschen nur bedingt Anhaltspunkte über die gesuchten Personen zur Verfügung stehen, helfen die Supernasen auf vier Pfoten weiter. Angefordert werden sie zur Unterstützung von Polizei und Feuerwehr.

Gehorsam und Teamgeist

Zwischen zwei und drei Jahren dauert eine Ausbildung zum Rettungshund. Auch Frauchen und Herrchen müssen sich in dieser Zeit fortbilden. Während die Hunde in Flächensuche, Trümmersuche, Gewandtheit und Gehorsam trainiert werden, durchläuft der Hundeführer etwa eine Sanitätsausbildung, Funkausbildung und wird in Trümmerkunde unterrichtet.

„Jeder kann sich bei der Rettungshundestaffel engagieren, vorausgesetzt, er ist teamfähig und hat Spaß an der Arbeit mit dem Hund“, sagt Timo Haberzagl. „Beim Vierbeiner kommt es darauf an, dass sein Jagdinstinkt nicht zu stark ausgeprägt ist.“ Im Förderverein der Rettungshundearbeit sind unterschiedlichste Rassen vertreten, vom Labrador über den Schäferhund bis zum Mischling. Es eignet sich beinahe jeder Hund für den Einsatz in der Staffel. „Bis auf den Beagle vielleicht“, sagt Timo und schmunzelt.

Über den Hund zum Ehrenamt

Es war eine Beagle-Dame, mit der Timo Haberzagl vor zwölf Jahren erstmals am Training der Rettungshundestaffel teilnahm. Er selbst kam über den Hund zum Ehrenamt. „Ich hatte keinerlei Kontakt zu Hilfsorganisationen, bis ich eines Tages jemanden von der Rettungshundestaffel beim Training beobachtet hatte. Das beindruckte mich so sehr, dass ich es selbst ausprobierte.“ Beagle Pepples war als Rettungshund allerdings eher ungeeignet. Ihr Dickkopf stand ihr im Weg. Timo Haberzagl blieb dennoch dabei, er wollte weiterhin die Arbeit mit dem Hund mit etwas Sinnvollem verbinden.

Als Pepples „in Rente“ geschickt wurde, übernahm Riesenschnauzer Roona und später auch Gefährtin Jura den Job. Zweimal die Woche trainieren sie mit ihrem Herrchen Gehorsam und die Suche im Gelände. Meistens ist das der Wald. Manchmal bietet sich aber auch die Gelegenheit, das Training in Gebäuden abzuhalten, wie im Frühjahr im Amazon Logistikzentrum in Bad Hersfeld. Der Kontakt kam über Robert Reiter, Amazon Mitarbeiter in der Retourenabwicklung und ehrenamtlicher Hundeführer beim Förderverein der Rettungshundearbeit Bebra e.V., zustande. Für die Rettungshundestaffel ein Glücksfall. „Die Geruchsbilder und die Verteilung der Gerüche ist in Gebäuden anders als im Freien, viel komplexer“, erklärt Timo Haberzagl. „Das Logistikzentrum mit den tausenden Produkten und vielfältigen Gerüchen war deshalb ein idealer Übungsplatz für uns.“

Ehrenamt ist Ehrensache

Das Indoor-Training der Rettungshundestaffel im Logistikzentrum legte auch den Grundstein für die Registrierung bei AmazonSmile – einer Plattform, die Kunden das identische Shopping-Erlebnis bietet, das sie von Amazon.de kennen, mit dem zusätzlichen Vorteil, dass Amazon einen Anteil an der Einkaufssumme an eine soziale Organisation weitergibt. „Wir sind ein ehrenamtlicher Verein und finanzieren uns rein über Spendengelder. Die sind für uns sehr wichtig, denn für unsere Arbeit brauchen wir nicht nur die Hunde mit ihren Führern“, sagt der Staffelleiter. „Für Einsätze benötigen wir Fahrzeuge und Funktechnik sowie Karten für die Suche. Eine persönliche Schutzausrüstung ist bei Einsätzen Pflicht für jedes ehrenamtliche Mitglied. AmazonSmile ist daher eine tolle Option für uns, zusätzliche finanzielle Unterstützung zu akquirieren.“

Neben den finanziellen Beiträgen ist es vor allem der ehrenamtliche Einsatz der Mitglieder, der den Verein am Leben hält. Zusätzlich zu den sechs geprüften Hundeführern und sieben geprüften Staffelhunden bei der Staffel Rotenburg an der Fulda sind 13 Hundeführer mit ihren Vierbeinern derzeit in Ausbildung. Auch Timo Haberzagls zweitälteste Tochter nimmt am Training teil. Für die Haberzagls ist das freiwillige Engagement nicht nur Ehren-, sondern Familiensache, so wie Jura und Roona weit mehr sind als Supernasen auf vier Pfoten. „Für uns sind das nicht bloße Diensthunde, die Leben retten können. Es sind Familienmitglieder.“