Ein Klima-Chatbot und ein Dokumentationstool für die Jugendhilfe – zwei Projekte, die auf den ersten Blick nicht viel gemein haben. Doch es gibt etwas, dass die beiden eint: Die Teams hinter den Projekten KlimaKarl und Kodoku treiben die Digitalisierung der Zivilgesellschaft voran und wurden deshalb von digital.engagiert in der Förderrunde 2018 unterstützt. Zeit einmal Nachzuhorchen: Welche Learnings haben sie aus der Förderung mitgenommen, was ist seitdem passiert und wie konnte digital.engagiert zum nachhaltigen Erfolg der Projekte beitragen?

Einen Schritt zurückgehen, um nach vorne zu kommen


Treffen sich eine Staatsministerin und ein Ökobot…

„Am Ende geht es immer zuerst um die Menschen“ – so fasst Ralf Kleber, Country Manager Amazon.de, bei der Abschlussveranstaltung von „digital.engagiert“, der Förderinitiative von Amazon und Stifterverband, zusammen, worauf es bei der Verbindung von digitalen und analogen Ansätzen im zivilgesellschaftlichen Engagement ankommt.

Der Chatbot KlimaKarl gibt seinen Nutzerinnen und Nutzern per Chat praktische Tipps für ein umweltbewussteres Verhalten im Alltag an die Hand. Kirsten Hillebrand und Hendrik Hinrichs sind – damals noch unter dem Namen KARL, der Ökobot – mit dieser Idee 2018 bei digital.engagiert angetreten und konnten so sehr überzeugen, dass sie mit dem ersten Platz ausgezeichnet wurden wurden.

Das Ziel des Bremer Teams: Der Chatbot soll für jede mögliche Situation Hinweise zu mehr Nachhaltigkeit bereithalten. Je weiter Kirsten und Hendrik das Projekt voranbrachten, desto klarer wurde ihnen, wie riesig die Aufgabe war, vor die sie sich damit stellten.

Die Bremer haben sich deshalb Anfang 2019 dazu entschieden, das Projekt zu fokussieren: Der Bot wird nun auf den Arbeitsalltag zugeschnitten, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegeneinander für mehr Nachhaltigkeit antreten zu lassen. Mit dem neuen Namen KlimaKarl dient der Bot als Schnittstelle zur Dokumentation von CO2-Einsparungen und gleichzeitig zur unterhaltsamen Vermittlung von Hintergrundinformationen. Die Entwicklungszeit des Bots ist durch die Spezialisierung kürzer. Mehr Zeit bleibt deshalb zur Optimierungder App und um sie auf das Feedback der Kunden abzustimmen.

„Manchmal muss man einen Schritt zurücktreten, um nach vorne zu kommen“ – das haben die beiden bei digital.engagiert gelernt, sagt Hendrik. Früh zu dieser Erkenntnis zu kommen, ist für viele Visionäre besonders wichtig. Denn sie hilft dabei, sich zu fokussieren und voranzukommen. Und sie ist einer der Gründe, warum Kirsten und Hendrik bis heute gern an digital.engagiert zurückdenken. Der universelle Chatbot bleibt trotzdem ihre Vision.

Die Plattform gemeinsam mit der Zielgruppe entwickeln

Jakob Hase und Markus Felk entwickeln für Momontum UG die App Kodoku, die Pädagoginnen und Pädagogen die Tagesdokumentation durch die Vorgabe von Textbausteinen erleichtert. Das Projekt aus Bielefeld hilft stationären und ambulanten Jugendeinrichtungen, die Ergebnisse der Tagesdokumentation automatisch aufzubereiten, zusammenzufassen und zu analysieren – die zeitraubende Aufgabe der Dokumentation wird damit zu einem nützlichen Tool für die pädagogische Arbeit. Bei digital.engagiert haben die beiden Bielefelder einen entscheidenden Anstoß bekommen: „Erst durch digital.engagiert wurde uns bewusst, wie wichtig es ist, die Zielgruppe konsequent mit ins Boot zu holen und die Software in einem wechselseitigen Prozess zu erarbeiten. Das war für die Entwicklung unseres Angebots wirklich hilfreich“, erklärt Jakob von Kodoku. Denn um die Partizipation der Jugendlichen zu fördern, hat das Team Zugänge für Jugendliche in die App aufgenommen. Über diese können beispielsweise Hilfeplanziele eingesehen oder Tagebucheinträge verfasst werden. Die Testläufe zeigten jedoch, dass die Jugendlichen die App nicht in erster Linie nutzen, um ihre Gefühlzustände zu schildern. Für sie waren alltagsunterstützende Funktionen wie die Taschengeld- oder Termin-Verwaltung wichtiger. Das größte Learning für das Kodoku-Team aus digital.engagiert: Das Produkt folgt den Nutzern, nicht andersherum – eine Erkenntnis, die das Projekt auch nach Abschluss der Förderinitiative weiterhin trägt und erfolgreich macht.

Selbstbewusst und proaktiv auf Kunden zugehen

Darüber hinaus haben die Teams von KlimaKarl und Kodoku bei digital.engagiert nicht nur ihre Coaches, sondern auch die anderen Projektteams sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Amazon und dem Stifterverband kennengelernt. Das half ihnen dabei, sich Schritt für Schritt ein Netzwerk aufbauen. „Wir haben bei digital.engagiert Startkapital, ein intensives Coaching und einen dauerhaften Ansprechpartner bekommen. Eines konnte uns jedoch niemand abnehmen: Wir müssen eigenständig auf unsere Kunden zugehen und sie von unserer App überzeugen“, so Markus von Kodoku. Ihr digital.engagiert-Netzwerk hat den Teams gezeigt, dass sie dabei selbstbewusst und proaktiv sein können. Sich nicht von Rückschlägen klein kriegen zu lassen und immer weiter zu machen – das gehört einfach dazu, so Markus.

Durch Initiativen wie digital.engagiert motiviert werden

Neben finanzieller Unterstützung, Experten-Ratschläge und Zugang zu Netzwerken gibt es noch einen wichtigen Benefit, den die Projekt-Teams bei digital.engagiert bekommen: einen „gehörigen Motivations-Push“, erzählt Jakob. Das Team von Kodoku wusste damals noch nicht, wie sich ihr Projekt entwickeln würde und bekam durch digital.engagiert einen enormen Auftrieb – indem ihnen bewusst gemacht wurde, wie gut ihre Ideen sind, welche Ziele sie erreichen können und was sie schon geschafft haben. Daran kann sich auch Kirsten von KlimaKarl gut erinnern. Für sie bedeutete die Unterstützung durch die Förderinitiative vor allem, „dass es gestandene Experten gibt, die sich mit unserer Idee beschäftigen und Potenzial darin sehen. Das war für uns wirklich ein großer Motivationsfaktor.“ Und mal ehrlich: Gibt es etwas Besseres, als Experten von der eigenen Idee zu überzeugen? Von solchen Schlüsselmomenten zehren die Teilnehmenden noch heute und besonders in Situationen, in denen es nicht so läuft wie geplant.

Drei junge Männer sitzen am Tisch und überlegen (zwei sieht man von vorne, einer hat den Rücken zur Kamera gewandt)

Wie geht es nun weiter?

KlimaKarl hat bereits eine erste Testphase durchlaufen. In dieser traten mit Hilfe des Bots die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von verschiedenen Professuren der Uni Bremen gegeneinander an, um sechs verschiedene Alltagsaufgaben für mehr Nachhaltigkeit so gut wie möglich zu erfüllen – z.B. vegetarisch Mittag essen oder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Im März 2020 folgt die zweite Pilotphase. Wenn der Bot fertig ist, gehen Kirsten und Hendrik auf die Suche nach noch mehr Kunden, die sie begeistern können. Mit KlimaKarl haben die Nutzer nicht nur Spaß, sondern das Unternehmen kann ganz nebenbei noch etwas für die Umwelt tun und Ressourcen einsparen.

Das Team von Kodoku hat bereits erste Kunden gewonnen und konnte die fertige Software im Januar 2020 launchen – sie bietet Dokumentationslösungen für die Jugend- und Eingliederungshilfe im stationären und ambulanten Bereich. Jakob und Markus sind damit jetzt schon dort, wo viele engagiere Gründer noch hinwollen.

Aktuell steht bei digital.engagiert die nächste Förderrunde an: Gesucht sind junge Teams, die sich mit digitalen Ansätzen für unsere Gesellschaft engagieren, oder solche, die mit ihrem Projekt die digitalen Fähigkeiten der Generation von Morgen stärken. Engagierte Projektteams und Initiativen können sich ab sofort bis zum 1. Mai 2020 bewerben. Eine Expertenjury wählt die besten 12 Projekte aus. Die Teams erhalten dann ein intensives und individuell angepasstes Coaching, Gelegenheiten zum Networking, mindestens 10.000 Euro Förderung sowie die Chance auf weitere Preisgelder.