Der Lebensgefährte einer Frau sammelt alte Zeitungen, Milchflaschen und Elektroschrott. In der gemeinsamen Wohnung in München findet sich kaum noch Platz – überall steht etwas herum, oft Belangloses, denn der Mann kann nicht mit dem Sammeln aufhören. Die Vermieter des Ehepaares haben damit gedroht, den Mietvertrag zu kündigen. Deshalb wendet sich die Frau an die „Messie Hotline“ des gemeinnützigen Vereins zur Förderung der freien Wohlfahrtspflege H-TEAM e.V. Dies ist ein reales Beispiel von Fällen, um die sich der Verein täglich kümmert.

„Menschen, die am ‚Messie-Syndrom‘ leiden, schämen sich oft selbst über ihr Verhalten. Sie merken, dass ihre Wohnungen und auch ihr Alltag anders sind. Oft trauen sie sich nicht, jemanden zu sich nach Hause einzuladen, aus Angst vor den Reaktionen. Vor allem aber fühlen sie sich hilf- und hoffnungslos, da sie ihre Probleme nicht alleine bewältigen können“, erklärt Torsten Sowa, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim H-TEAM e.V. „Auch Angehörige und Bekannte wissen oft nicht, wie sie den Betroffenen helfen können. Mit der Bayerischen Messie Hotline wollen wir Abhilfe schaffen und den Betroffenen, aber auch Angehörigen und Behörden, Hilfestellungen geben.“

Das H-TEAM e.V. möchte Menschen in Not umfassend und unmittelbar helfen. Dabei versuchen wir stets nach dem Motto ‚Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe‘ zu handeln und machen es uns zur Aufgabe möglichst unbürokratisch zu helfen.
Torsten Sowa, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit beim H-TEAM e.V.

In Deutschland sind nach inoffiziellen Schätzungen etwa 1,8 Millionen Menschen vom Messie-Syndrom betroffen. Das Syndrom, das verschiedene Ursachen haben kann, ist bisher noch weitgehend unerforscht. Meist geht es auf eine seelische Störung zurück. Da das Syndrom für die Betroffenen oft unangenehm ist, wird es in der Öffentlichkeit nach Ansicht des Vereins nur wenig diskutiert. Durch Fortbildungen und Vorträge zu den Themen Mietfähigkeit, Wohnungsverwahrlosung und ‚Messie-Syndrom‘, will das H-TEAM das Thema auch im öffentlichen Diskurs präsenter machen und die langjährige Erfahrung mit Menschen in schwierigen Wohnsituationen mit professionellen Helfern, Angehörigen, Interessierten und Betroffenen teilen.

Das Team von H-Team e.V.
Foto von H-TEAM e.V.

Ordnung ins Chaos bringen

Das H-TEAM e.V. wurde 1990 in München gegründet. Zusammen mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern gründete der Pädagoge Peter Peschel den Verein, um Menschen in Not ein selbstbestimmtes Leben in ihrem vertrauten Umfeld zu ermöglichen. Noch heute ist er als Geschäftsführer und Vorstand im Verein tätig. „Ich hatte zu Beginn der 90er Jahre den Eindruck, dass gerade ältere und alleinstehende Menschen in der Kommunikation mit Behörden Probleme haben. Da viele die Briefe von Behörden nicht richtig verstehen, bleiben sie unbeantwortet. Die Betroffenen sind mit der Situation überfordert und können sich selbst nicht helfen. Hier greift das H-TEAM ein und versucht beispielsweise mit rechtlicher Beratung und persönlicher Betreuung einzuspringen“, sagt Peter Peschel. 2020 feiert der Verein sein 30-jähriges Jubiläum.

Ein Comic zum Chaos in einer Messie-Wohnung
Foto von Patrick Sommer, H-TEAM e.V.

Seit der Gründung des Vereins hilft das H-TEAM auch mit der ambulanten Wohnungshilfe eine Unterstützung für Münchner, die Probleme mit ihrer Wohnsituation haben – zum Beispiel durch ausgeprägtes Sammelverhalten und Verwahrlosung. Ziel ist es, den Verlust der Wohnung zu vermeiden und den Zustand zu normalisieren: einerseits für die Betroffenen, aber auch für die Nachbarn und Vermieter.

Zur ambulanten Wohnungshilfe kam seit der Gründung vieles dazu: von der Schuldner – und Insolvenzberatung bis hin zum betreuten Einzelwohnen für psychisch Kranke. „Das H-TEAM möchte Menschen in Not umfassend und unmittelbar helfen. Dabei versuchen wir stets nach dem Motto ‚Schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe‘ zu handeln und machen es uns zur Aufgabe möglichst unbürokratisch zu helfen“, erläutert Torsten Sowa.

Heute beschäftigt das H-TEAM 39 festangestellte Mitarbeiter und 13 ehrenamtliche Helfer. Der Verein berät und betreut im Monat rund 600 Menschen allein in München, davon werden im Jahr rund 100 Betroffene durch die ambulante Wohnungshilfe vor der Wohnungslosigkeit geschützt. „Einige unserer Angebote werden durch die Stadt München finanziell unterstützt. Viele unserer Dienste – wie z.B. die Messie Hotline – werden jedoch rein durch Spenden finanziert. Die Stiftungsstelle der Stadt München hat uns deshalb 2015 auf AmazonSmile aufmerksam gemacht.“

Mit einem Einkauf bei AmazonSmile können Amazon Kunden das H-TEAM unterstützen, denn Amazon gibt 0,5 Prozent des Einkaufspreises an eine ausgewählte teilnehmende und soziale Organisation weiter. „Wir benötigen das Geld besonders für ein Wohnungsprojekt in Freising. Zurzeit bauen wir dort ein Haus für psychisch kranke Menschen, die keine Chance mehr auf dem Wohnungsmarkt haben und dort selbständig in Gemeinschaften leben können.“