Ein Baby ist unterwegs, der Geburtstermin steht kurz bevor. Die werdenden Mütter sind in dieser Zeit voller Vorfreude und Glück – eigentlich. Doch was, wenn die schwangere Frau gerade erst in einem fremden Land angekommen ist, dessen Sprache sie nicht spricht? Sie weiß weder, wo sie ihr Kind zur Welt bringen soll, noch wie das medizinische System hier funktioniert. Das Ökumenische Frauenzentrum Evas Arche e.V. in Berlin hilft diesen Frauen mit dem Projekt „Welcome-Baby-Bags“. Unter der Leitung der 28-jährigen Rostockerin Laura Vogt stattet der gemeinnützige Verein geflüchtete Frauen mit dem Nötigsten aus, was eine frisch gebackene Mutter und ihr Kind für einen guten Start ins Leben brauchen.

Ein geschützter Raum für die Bedürfnisse der Frauen

Die Bedürfnisse der Frauen – ob jung oder alt, schwanger, Mutter oder allein erziehend – kennen die Mitarbeiterinnen bei Evas Arche sehr genau. Im November 1991, ein Jahr nach der Wiedervereinigung, gründete sich der Verein, der sich gezielt für die Belange von Frauen einsetzt. „Der erste Gedanke zur Gründung eines ökumenischen Frauenzentrums entstand bereits 1988 aus einer Ostberliner Frauen-Selbsthilfegruppe heraus“, erzählt Ute Einicke, Geschäftsführerin des Vereins. „Im Ostteil der Stadt gab es nach der Maueröffnung verschiedene Herausforderungen wie die Auseinandersetzung mit einem neuen Frauenbild, hohe Arbeitslosigkeit und soziale Unsicherheit. Diese Umstände und die Unzufriedenheit vieler Frauen mit der Situation in ihrer Kirche führten dazu, dass die Ostberliner Frauen einen ‚geschützten Raum’ für sich forderten.“

Die Frauen müssen oft hochschwanger einen Behördenmarathon absolvieren, um sich hier anzumelden. Bei uns wird den Frauen schnell, unkompliziert und unbürokratisch geholfen.
Laura Vogt, Leiterin des Projekts „Welcome Baby Bag“ bei Evas Arche e.V.

Den hat man in einem Gemeinderaum in einem Altbaugebäude in Berlin Mitte gefunden. Dort wurde mit Evas Arche ein Ort der Begegnung, Vernetzung und Unterstützung geschaffen, wo man sich für die Chancengleichheit und Förderung von Frauen egal welcher gesellschaftlicher oder religiöser Herkunft stark macht. Der perfekte Ort auch für ein Projekt wie „Welcome-Baby-Bags“.

Ein Kinderzimmer als Lager

Geboren wurde das Projekt eigentlich in einem Berliner Kinderzimmer im Mai 2015, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Die Initiatorin Silke Ahlert befüllte gemeinsam mit Nora Krieger im Zimmer ihrer Kinder die sogenannten „Welcome-Baby-Bags“. „Bis zu 20 Taschen wurden pro Monat gepackt“, sagt Laura Vogt, die das Projekt nun bei Evas Arche leitet. „Als sich die Taschen im Kinderzimmer stapelten und die Arbeit für zwei einzelne Personen zu viel wurde, suchten die Frauen nach einem geeigneten Träger.“ Den fanden sie im Ökumenischen Frauenzentrum.

Vom Kreuzfahrtschiff auf Evas Arche

„Die Frauen der Arche wussten damals nicht, auf was sie sich einlassen“, sagt Laura Vogt und gesteht: „Ich auch nicht.“ Die 28-Jährige kam vor etwa einem Jahr durch Zufall zu dem Projekt. Ursprünglich arbeitete die Bachelor-Absolventin der Wirtschaftskommunikation als Media Managerin auf einem Kreuzfahrtschiff. „Das hat mich nicht besonders erfüllt. Danach bin ich den Jakobsweg gegangen und habe dort beschlossen: Jetzt mache ich etwas, worauf ich wirklich Lust habe – etwas Sinnvolles.“

Über die Plattform betterplace.org, ein Spendennetzwerk sozialer Projekte, stieß Laura Vogt auf das Ökumenische Frauenzentrum. Seither betreut sie das Projekt. „Inzwischen hatte sich über den Senat auch die Finanzierung einer halben Stelle für die Projektleitung ergeben, die ich übernehmen durfte“, sagt die fröhliche, junge Frau, die die Bestellungen der Artikel übernimmt, das Projekt in den sozialen Netzwerken vertritt, die Finanzierung sichert und Kooperationspartner sucht.

Nur das Nötigste und doch eine Riesenhilfe

Auf der Amazon-Webseite wurde sie auf „innatura“ aufmerksam. Die Plattform, die fabrikneue Sachspenden an gemeinnützige Organisationen vermittelt, nimmt bereits am AmazonSmile Programm teil. Bei innatura bezieht Evas Arche viele der benötigten Artikel für die „Welcome-Baby-Bags“. „Man kann nicht einfach in den Drogeriemarkt gehen und 20 Packungen Windeln kaufen, denn so viel Bestand hat der Laden nicht“, sagt Laura Vogt. „Ich dachte mir, vielleicht hat Amazon Lust, ein Projekt auch im Kleinen zu unterstützen - so ein kleines Projekt wie wir es sind.“

Von „klein“ kann man inzwischen kaum mehr reden. Das Projekt ist innerhalb eines Jahres enorm gewachsen. Laura Vogt staunt selbst über die beachtlichen Zahlen: „Aus anfangs 15 wurden 82 Taschen, die wir im letzten Monat gepackt haben. In jeder Tasche befinden sich 45 Artikel. Im ganzen vergangenen Jahr haben wir 368 Taschen gepackt. Das entspricht 16.500 Artikeln, die bei Evas Arche eingegangen sind, gezählt, gewaschen und wieder verpackt wurden.“

In den randvollen Baby Bags, die von Notunterkünften, Gemeinschaftsunterkünften, Beratungsstellen, in Notfällen auch von Krankenhäusern angefragt werden, finden sich Windeln, Hygieneeinlagen für die Frau, Wundsalben, Babybekleidung in kleinen Größen, Lätzchen, Spucktücher und ein wenig Babyspielzeug. Es ist nur eine kleine Grundausstattung, aber sie hilft den Frauen, die selbst über kaum finanzielle Mittel oder Besitz verfügen, über die ersten Wochen hinweg. „Einen guten Start ins Leben, das wünschen sich doch alle Eltern für ihre Kinder“, sagt Laura Vogt. „Mit den ,Welcome-Baby-Bags‘ können wir ihn geflüchteten Frauen und ihren Neugeborenen zumindest ein wenig erleichtern.“